Wie die List unser Hirn stärkt.

Lena lernte ich in einem unserer Workshops kennen, nebeneinander in der Pause das Menü verspeisend, kamen wir auf die unterschiedlichsten Dinge zu sprechen. So auch ein Thema, welches ihr sehr am Herzen liegt. Während wir so plaudern, wird mir klar, dass ihr Herzensthema: Gedächtnistraining, uns alle auf der Suche nach Wandel und Kreativität täglich stützt. Ganz nach dem spannenden Artikel aus dem Havard Business Manager, Jan. 2018: „The Future of Human Work is Imagination, Creativity and Strategy.

Ich bat Lena, uns mal an ein paar ihrer Gedanken Anteil nehmen zu lassen.

Lena ist neben ihres Daseins als Edutainerin, Coach, Blogautorin auch als Gedächtnistrainerin unterwegs. Was das genau ist und was Gedächtnistraining denn mit Kreativität zu tun hat, lest Ihr jetzt.
Viel Spaß dabei.
Und ein herzliches Dankeschön an Dich, Lena!

Zugegeben: das Wort „Gedächtnistraining“ steht unter den beliebtesten Worten mit Sicherheit nicht unter den Top 10 kurz hinter „Freibier“ oder „Sonderurlaub“.

Dennoch liebe ich Gedächtnistraining und Denksport, denn kognitives Training oder Gehirntraining hat viel mit Spaß, Freude und echter Unterhaltung zu tun. Ich habe erst vor wenigen Jahren entdeckt, dass die „Dinge“, die ich glaube ganz gut zu können (Wortspielereien, assoziatives um die Ecke denken, fantasievolles Merken) und mir von klein auf total viel Spaß machen, was „Richtiges“ sind.

Ich habe früher nebenbei, quasi als „eskalierendes Hobby“, in Studios und Vereinen Fitness und Pilates Training gegeben. In einem Fitnessclub gab es schon die Kombination aus Körper und „geistiger Ertüchtigung“  und ich habe erfahren, dass eine meiner großen Leidenschaften „Gedächtnistraining“ heißt. Und da es in Deutschland für alles einen Zettel gibt, hatte ich kurzerhand beim Bundesverband für Gedächtnistraining eine Ausbildung gemacht.

Fernab von gezieltem Training können wir unserem Kopf jedoch schon mit vermeintlich ganz banalen Dingen etwas Gutes tun und für Voraussetzungen sorgen, die uns leichter lernen lassen oder innovativ sein.

Ob ausreichend Wasser, Schlaf, frische Luft, Pausen, Bewegung, Glukose, Monofokus anstelle von Multitasking, Routinen zu durchbrechen und Neues zu tun.

Alles fixe Impulse, um uns geistig frisch und fit zu halten.

Und trotz des Wissens darum, fällt es mir persönlich häufig ebenso schwer bei nur EINER Sache und im wortwörtlichen Moment zu bleiben. Anstelle davon „nur mal eben“ fix die Mail Anfrage zu beantworten, die Fotos per whatsapp zu verschicken und gleichzeitig die neue Podcast Folge hochzuladen.

Ganzheitliches Gehirntraining dreht sich neben den ganz prominenten Bereichen à la „Merkfähigkeit“ und „Konzentration & Fokus“, die wir tagtäglich im (Arbeits)Alltag benötigen auch um die Bereiche, die wir vermutlich nicht im ersten Gedankengang mit „Denksport“ oder kognitivem Training in Zusammenhang bringen würden. Hätten wir vermutet, dass Fantasie und Kreativität, Wortfindung und Wortformulierung oder gar Wahrnehmung unter Gedächtnistraining fällt?

Als ehemalige Fitness Trainer vergleiche ich daher Denksport gern mit körperlichem Training: Fitness Training umfasst mit Dehnung, Mobilisation, tiefenmuskulärer Kräftigung, Konditionstraining oder Übungen für maximale Muskelkraft oder Schnellkraft eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Bereiche und Übungen. Und genauso facettenreich geht es im Denksport zur Sache. Unser Körper würde auf lange Sicht nicht davon profitieren, wenn wir uns z.B. ausschließlich dem reinen Kraftzuwachs widmen – ebenso ist es für unser Gehirn enorm wichtig nicht nur einseitig den Denkapparat anzuschmeißen.

Wissens- und Büroarbeiter sind in Ihren täglichen „acht Stunden“ häufig primär mit logischem und analytischen Denken befasst. Damit es unserem Gehirn „ganzheitlich gut geht“ und wir noch viel mehr vielleicht sogar etwas „eingerostete Bereiche“ wiederentdecken, sollten wir dann und wann auch mal wieder spielerisch unsere Kreativität, unsere Denkflexibilität und assoziatives Denken nutzen!

Allen Bereichen, die in unserem Job mitunter erst an zweiter Stelle kommen. Im Gegensatz dazu, können sich künstlerisch geforderte Brotverdiener mitunter Segmenten widmen, die eher der Logik und Struktur zuzuordnen sind.

„Formal“ umfasst das ganzheitliche Gedächtnistraining in Ergänzung zu den bereits erwähnten „Kategorien“ auch: Das Erkennen von Zusammenhängen, Urteilsfähigkeit oder Strukturieren.

Vor allem die Kreativität hilft uns im Leben innovativ zu sein und zu bleiben.

Das weite Feld „Kreativität“ hat weitaus mehr zu bieten als vermeintliche schöpferisch-künstlerische Aspekte.  Mal ganz nüchtern-sachlich betrachtet bietet uns die Entfaltung der eigenen Kreativität einen handfesten „Plan B“, den wir alle – komplett jobunabhängig – täglich brauchen. Wir sind schon kreativ, wenn wir einen neuen, anderen, vielleicht sogar bereits unerprobten, Lösungsweg nehmen, um an unser Ziel zu kommen. Darunter fällt übrigens auch die spontane Wahl eines anderen Weges zur Arbeit.

Probieren wir etwas Neues, so muss unser Kopf Höchstleistung bringen. Neue Erfahrungen, die Wahl neuer Wege, Lösungen, Herangehensweisen können wir uns bildhaft (wir befinden uns auch gerade während des Lesens fortwährend im Kreativ Modus!) mit dem Kampf durch den Dschungel vorstellen.

Im Urwald wartet tiefstes Dickicht, schwere Äste, überwucherte Bäume, Zweige, durchkreuzt von zahlreichen Lianen, stark verzweigte Wurzeln auf dem unebenen und sumpfigen Boden. Wollen wir hier forschen Schrittes durchkommen, müssen wir uns zunächst mühsam mit Machete, Buschmesser, beiden Händen und unter körperlicher Höchstanstrengungen im wahrsten Sinne des Wortes einen neuen Weg bahnen.

Mit dieser Anstrengung kämpft unser Kopf, wenn wir das erste Mal (vielleicht sogar mit Angst oder Abneigung vor dem neuen Weg gesegnet was ganz „normal“ wäre, weil neue Wege mitunter auch beängstigend sein können) eine neue Handlung vornehmen.

Um es uns noch plastischer zu verdeutlichen, wie wir uns das bisherige „Schema F“ vorstellen können: Die souveräne Fahrt – seit Jahrzehnten im Besitz des Führerscheins – in unserem PKW auf der – Obacht –Autobahn! Und zwar auf der kurvenlosen, breiten und ebenen Strecke mit Leitplanken und gut beleuchtet, die wir in- und auswendig kennen, genau wie unseren Wagen. Hier müssen wir keine „Schneisen“ mehr einreißen und „setzen“, sondern gleiten bis „rasen“ leicht und behände ans Ziel (die Ausführung der regulären „Lösung“).

Das Autobahn und Urwald Beispiel übertragen auf die Vorgänge in unserem Gehirn:

In unserem Hirn gibt es weit über 100 Milliarden Nervenzellen. Für alles was wir denken oder tun werden diese Nervenzellen aktiv und verbinden sich mit ca. 15.000 Nervenzellen. So entsteht das sogenannte „neuronales Netzwerk“.

Nehmen wir ein ganz basales Beispiel für die Umsetzung – noch bevor wir uns so bahnbrechenden Neuerungen wie der Organisation neuer Arbeitsabläufe in der  Abteilung widmen – einer neuen „Gewohnheit“.

Probieren wir (als Rechtshänder) einfach mal am Morgen im Badezimmer mit LINKS die Zähne zu putzen, neben einem ggf. Zahnpasta verschmierten Spiegel – passiert folgendes in unserem Kopf:

Es fühlt sich komplett ungewohnt an – in unserem Gehirn gibt es für den Weg oder die „Lösung geputzte Zähne mit links“ noch keine „Autobahn“, sondern wir stehen mit dem Buschmesser im Dschungel und müssen zusehen voran zu kommen, kurz um: Im Gehirn existiert ein noch ganz dünnes Netzwerk aus 15.000 Nervenzellen.

Sobald wir am nächsten Morgen erneut mit der linken Hand zur Zahnbürste greifen passiert folgendes:

Das Netzwerk wird etwas stärker, d.h. im Dschungel hätten wir zwar noch keinen „Trampelfpfad“, von der asphaltierten Autobahn mal ganz zu schweigen, jedoch können wir heute noch das plattgetretene Dschungel Grün vom Vortag erkennen. Die Verbindung der Nervenzellen wurde gestärkt und „geschmiert“ – irgendwann dann auch „geteert“, sodass auch dem anfänglichen „einen Pfad durch den Urwald schlagen“ eine geteerte Autobahn Route wurde!

Und ganz egal, was wir neu ausprobieren –  ALLES fühlt sich zunächst ungewohnt an, da es dafür noch kein neuronales Netz in Ihrem Gehirn gibt, das muss erst „angelegt“ werden und dann mit jeder Wiederholung gestärkt, „geebnet“ werden.

Und je nach Tätigkeit, Gewohnheit, Lösung, Weg dauert es eben auch unterschiedlich lange, bis sich eine neue Gewohnheit so vertraut anfühlt wie die „erprobte“.

Bei einer Zahnputz Umstellung kann es gut 14 Tage andauern, bis es sich genauso vertraut anfühlt wie erste – sichere – Variante mit der rechten Hand.

Wenn das schon 2 Wochen braucht, können wir uns vermutlich vorstellen warum es so schwierig ist, neue Routinen und Lösungswege zu „alten Problemen“ zu etablieren.

Gleichzeitig HILFT uns dieses Wissen aber auch dabei die Ausdauer an den Tag zu legen und den „Glauben“, dass auch im tiefsten Dschungel eine Autobahn entstehen kann. Auch wenn wir – fernab des Vergleichs! – die Natur natürlich bevorzugen.

Probieren wir es aus!
Wann hast DU das letzte Mal etwas Neues getan?

Lena Wittneben – coaching & edutainment

Lena Wittneben (Jg. 76) – systemischer Coach & „Edutainerin“, Gedächtnistrainerin, Co-Gründerin „Pausenkicker, Co-Gründerin helenas.de, Medienfachwirtin aus Hamburg.

Credo: „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ und „Schwächen sind die neuen Stärken“.

Ob im Podcast, als capital.de Kolumnistin oder Speaker, Gedächtnistrainerin & Coach:  Lena empfindet tiefen Sinn Menschen mit Humor und Freude zu stärken und zu begleiten.

https://www.lena-wittneben.de/

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