„Und wie kaufst du ein?“ – 8 Eigenschaften zukunftsfähiger Shopkonzepte

Jeder Einzelne von uns kennt ihn und jeder Einzelne von uns war schon genervt von ihm – sei es beim Besorgen von nötigen Alltagsgegenständen, beim Einkaufen von neuen Klamotten oder beim eigentlich simplen Lebensmitteleinkauf für das Abendessen: der Einkaufsdschungel strapaziert regelmäßig  Zeit und Nerven. Man ist mit schlechter Beratung, langem Anstehen an Kassen und intransparentem Informationsfluss und einer unübersichtlichen Produktpalette konfrontiert und eigentlich ist keiner von uns wirklich befriedigt und glücklich nach dem Einkaufserlebnis, oder?  

So verliert der stationäre Handel Stück für Stück seine Käufer an den Online-Handel und laut Prognosen droht mehr als jedem zehnten Ladengeschäft bis 2020 die Schließung (Quelle: Institut für Handelsforschung). Des Weiteren leben, laut statistischem Bundesamt, bereits heute ca. 41% der Deutschen nicht in einem Familienverbund, sondern in einem Ein-Personen-Haushalt mit steigender Tendenz. Also wo führt es uns als Gesellschaft hin, wenn jeder für sich seinen Einkauf versteckt hinter einem Bildschirm erledigt? Wir geben einen Teil unseres sozialen Lebens auf, denn soziale Treffpunkte samt persönlicher Kontakte und Begegnungen gehen verloren.

Diese Entwicklung habe ich mit Schrecken beobachtet und befunden: das muss auch anders gehen! Das fehlende Bindeglied ist der sogenannte dritte Ort. Soziale Nähe herzustellen und zu fördern wird für den Handel zukünftig zur wichtigsten Aufgabe. Denn Menschen, als soziale Wesen, brauchen eine stabile Verankerung im persönlichen und lokalen Bereich. Und um dieses Bedürfnis stillen zu können, braucht es reale Orte an denen Menschen zusammenkommen können und Beziehungen, Austausch und gesellschaftlicher Diskurs entstehen kann.

In meiner Masterthesis zum Thema „Shopkonzept von morgen – Lifestyle Community Hub statt Verkaufsfläche“ habe ich also ein zukunftsorientiertes kreatives Konzept entwickelt, welches sich an den relevanten Gesellschaftstrends (Individualisierung, Neo-Ökologie, Konnektivität sowie Urbanisierung) orientiert und somit auf das veränderte Einkaufsverhalten der Menschen eingeht. Vom Onlinehandel zurück zum stationären Handel – aber eben nicht zurück zu den langweiligen, unbefriedigenden 08/15 Läden wie sie bereits zu Genüge bestehen, sondern zum Shop als dritten Ort und sozialen Kontenpunkt.

Pia Rehm, Hochschule für Technik Stuttgart

Das von mir, anhand der Analyse uuuunzääähliger Shops in Berlin und Stuttgart, sowie einer ausführlichen Trend- und Nutzeranalyse zur Kaufkraft der Zukunft (Millenials und GenZ), entwickelte „Shopkonzept von morgen“ zeichnet sich durch einige Eigenschaften aus:

# 1 die App als Grundlage
Datenspeicherung zu Vorlieben, Unverträglichkeiten etc., Bezahlung ohne Anstehen per App

# 2 Shop kommt zum Nutzer (nicht Nutzer zum Shop)
Shop in Kombination mit Arbeitsort (Co-Working Space), Shop als Wanderausstellung in Museen,Shop als Automat an Transitorten für den schnellen Einkauf

# 3 ganzheitliche Costumer Journey
starke Verwebung von online und offline Welt schließt die Lücke zwischen digitaler und physischer Einkaufswelt und bietet dem hochvernetzten Kunden ein nahtloses Einkaufserlebnis über alle Kanäle hinweg

# 4 Informationsgewinnung und Transparenz
Kunden können sich vor Ort alle Informationen beschaffen, die sie im Internet auch bekommen würde (Hintergründe zu den Produkten, Preisvergleiche, Rezensionen etc.)

# 5 Flexibilität und Wandelbarkeit
aufgrund der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit will der Kunde immer wieder Neues sehen und erleben: der Shop zeigt seinen Kunden stets die neuesten (Start-Up-) Produkte, sowie eine Auswahl an kuratierten Lifestyle- Produkten (zu den Überthemen Nachhaltigkeit, Qualität, Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit) und der Aufbau des Shops kann sich an die immer neuen Produkte anpassen

# 6 personalisierte Produkte (das A und O in der Zeit der Individualisierung)
für die Mehrheit der Befragten der „Studie zum Handel 2036“ von QVC ist der wichtigste Faktor beim Einkaufen schon jetzt, dass ein Produkt genau den eigenen Wünschen und Bedürfnissen (z.B. Farbwunsch, Körpermaße…) entspricht: im Shop der Zukunft gibt es die Möglichkeit Produkte nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu personalisieren (für Member gibt es sogar die Möglichkeit in der On-Demand-Clothing-Factory und am großen 3D Drucker Produkte direkt vor Ort nach den eigenen Wünschen herzustellen oder aber bereits gekauft Produkte vor Ort zu reparieren)

# 7 Shop versteht sich als Service und Dienstleister
der Shop der Zukunft finanziert sich durch eine Platzierungsgebühr der Hersteller, somit geht Beratung im Shop niemals mit dem Zwang einher etwas (ver-) kaufen zu müssen

# 8 Shop dient dem Erlebnis nicht der Bedarfsabdeckung (Third Place Charakter) – neueste Produkte kennenlernen, anfassen und ausprobieren (alle Produkte werden unverpackt ausgestellt), Events, Bar, Community = Aufenthaltsqualität

Pia Rehm, Hochschule für Technik Stuttgart

Die Zukunft des Einkaufens liegt also in einer Form des begehbaren Online-Shoppings: die Vorteile von stationärem- und Onlinehandel müssen gekonnt kombiniert werden. So kann der Shop von morgen sich zum Dreh- und Angelpunkt für die lokale Verankerung in einer Stadt und für die direkte Kommunikation mit der Community entwickeln. Das Einkaufen kann sich zukünftig von einem nervenaufreibenden Punkt auf der To-do-Liste, zu einem bereichernden Teil der Lebenswelt und des persönlichen Lifestyles entwickeln.

Pia Rehm, Hochschule für Technik Stuttgart

 

 

 

 

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